Concrete Student Trophy 2019: „Ein Stern über dem Donaukanal!“

Als vor weit mehr als zehn Jahren ein neuer Studentenwettbewerb ins Leben gerufen wurde, konnte das niemand ahnen: Mit der Concrete Student Trophy installierte die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) gemeinsam mit der TU Wien einen echten Klassiker, der als begehrte Auszeichnung längst über einen erstklassigen Ruf verfügt. Auch heuer war der interdisziplinäre Studentenwettbewerb nahezu ein Selbstläufer. Bei der feierlichen Preisverleihung 2019 war die Spannung kaum auszuhalten.

CST 2019: das offizielle Plakat

Es ist eine begehrte Auszeichnung – und das hat triftige Gründe: Wer sich bei der Concrete Student Trophy durchsetzt, verfügt über erstklassige Eigenschaften, die in der Branche etwas zählen. Denn bei diesem Wettbewerb sind nicht nur Fantasie und Können gefragt: Hier werden von jungen Menschen gleich mehrere Qualitäten gefordert, die im späteren Berufsleben gefragt sind. Es geht darum, im Team zu bestehen und in der interdisziplinären Zusammenarbeit zu überzeugen.

Die Spannung war dementsprechend groß, als im November 2019 die Preisverleihung an die bis dahin streng geheimen Sieger über die Bühne ging. Der legendäre Kuppelsaal der Technischen Universität Wien gab das angemessene Ambiente für einen wunderbaren Abend mit vielen glücklichen Gewinnern. Denn auch das zählt bei der Concrete Student Trophy: Ob erster Preis oder Anerkennung, alles wird bestaunt. Das Thema war bereits im Frühjahr ausgegeben worden, die Studierenden der unterschiedlichen Fachrichtungen konnten sich also den ganzen Sommer über mit der Idee einer neue Brücke über den Donaukanal auseinandersetzen.

Begehrte Trophäe

Die interdisziplinären Studententeams, die sich heuer um die Trophäe bewarben, kamen wie immer aus verschiedenen österreichischen Architektur- und Baufakultäten. Auf den ersten Blick ist der fächerübergreifende Aspekt für die Studierenden besonders reizvoll, gleichzeitig stellt aber gerade das eine der größten Herausforderungen dar. Als die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) die Concrete Student Trophy gemeinsam mit den Technischen Universitäten Österreichs ins Leben rief, war genau das eines der wesentlichen Ziele: die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Architektur und Bauingenieurwesen bereits während der Ausbildung zu fördern. Denn Bauen bedeutet Teamplaying – und das will gelernt sein.

Auch VÖZ und TU Wien bewiesen sich als Teamplayer, denn das 2019er Wettbewerbsthema wurde gemeinsam mit der Stadt Wien ausgelobt: Geplant werden sollte ein barrierefreier Steg über den Donaukanal und die beiden Richtungsfahrbahnen der A4 bei der Ostbahn. Natürlich in Betonbauweise. Die Aussicht, von guten Jobs in der Zukunft mal abgesehen: Der Studentenwettbewerb ist mit insgesamt 12.000 Euro gut dotiert.

„Großartig, wie die Teams miteinander getüftelt haben!“ Sebastian Spaun

Die Aufgabenstellung war heuer eine besonders große Herausforderung für die Studierenden: Beim Entwurf einer neuen barrierefreien Fuß- und Radwegbrücke über Donaukanal und Ostautobahn sollte nicht einfach die Verbindung des Industrie- und Wohngebiets in Simmering mit dem Freizeit- und Erholungsgebiet des Wiener Praters im zweiten Wiener Gemeindebezirk verbessert werden, es ging um mehr. „Eine Brücke stellt immer auch eine soziale Verbindung zwischen den Uferbereichen her“, hieß es in der Ausschreibung, „und kann so neue Qualitäten schaffen für die Menschen, die hier wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen.“ Bei der Planung mussten zudem viele Vorgaben berücksichtigt werden: Vorhandene Verkehrsflächen, Durchfahrtshöhen seitens Verkehr und Schifffahrt, dazu kamen zeitgemäße Aspekte des Gender-Mainstreamings und der Barrierefreiheit – und das alles in bunt gemischten Teams.

Im Vergleich dazu war die Aufgabe der neunköpfigen Jury einfach – aber auch das nur beim ersten Hinsehen. Denn die „Richter“ unter dem Vorsitz von Architektin Elke Delugan-Meissl hatten nun wirklich keinen leichten Job zu erledigen: Die eingereichten Projekte waren alle beeindruckend! So waren die Jurymitglieder überrascht von der hohen Qualität. Es waren praktisch durch die Bank „detaillierte, clever geplante und gut ausgearbeitete Arbeiten“, wie es am Rande der Veranstaltung hieß. Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ, war sofort begeistert: „Es ist großartig, wie die Teams miteinander an dem neuen Brückenentwurf getüftelt haben – die Interdisziplinarität führt offensichtlich zu realistischen Vorschlägen.“ Er verband das auch gleich mit dem Baustoff, um den es dabei auch geht: „Die Concrete Student Trophy stellt den nachhaltigen Baustoff Beton ins Zentrum, mittlerweile führen die Ideen der Studierenden jedoch weit darüber hinaus“, stellte er fest. Und: „So lieferten alle Teams umfassende Umgebungsanalysen, und auch die Gedanken zur vielfältigen Nutzung der neuen Brücke sind gut erkennbar.“

Aus den insgesamt dreizehn Einreichungen wurden nach vielen Diskussionen fünf Entwürfe prämiert – eine hohe Zahl, die wiederum für die hohe durchschnittliche Qualität spricht. Ausgewählt wurden die Lösungen, die städtebaulich, architektonisch, funktional und konstruktiv am meisten überzeugen konnten. Bei der Preisverleihung im Kuppelsaal der TU Wien feierten schließlich alle – allen voran die Teams der TU Graz und der TU Wien. Grund zum Feiern gab es ebenso für die Auslober, für die Jury und für die Sponsoren, mit deren Unterstützung die Concrete Student Trophy über die Jahre werden konnte, was sie heute ist: eine Erfolgsstory!

Erster Platz: „Donaustern“ (TU Graz) – Aufgespannte Skulptur mit klarer Wegeführung

„Donaustern“: Gewinner der CST 2019

Der Siegerentwurf überzeugte durch eine klare Idee: Architektonisches Ziel ist hier eine Symbiose aus der bestehenden Stahlbrücke und der Rohrbrücke. Den Mittelpunkt des neuen Stegs bildet der „Donaustern“, der den Donaukanal überspannt (siehe Titelbild). Die Konstruktion wird mit UHPFRC in Fertigteilbauweise ausgeführt und verfügt über eine externe Vorspannung. Durch den Einsatz eines Hohlkastenquerschnitts kann der Materialverbrauch gering gehalten werden.

Das Team aus Andreas Rogala (Architektur), Lisa Tobisch und Miriam Jäger (Bauingenieurwesen) „hat die Anforderungen der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Architektur und Bauingenieurwesen am besten erfüllt“, wie die Jury feststellte. „Der klare minimalistische Entwurf“, hieß es weiter, „baut auf einer präzisen Analyse des Kontextes auf und reagiert perfekt auf den Bestand.“ Für den gelungenen Entwurf gab’s ein – teamübergreifendes – Preisgeld von 4.200 Euro.

Zweiter Platz: „Oststeg – Zwischen Stadt & Natur“ (TU Wien) – Ästhetisches Erscheinungsbild

„Oststeg – Zwischen Stadt & Natur“: Das zweitplatzierte Team freut sich

Der zweite Entwurf begeisterte vor allem durch ein Detail: Architektur und Tragwerk konkurrieren hier nicht miteinander, im Gegenteil – sie gehen als Einheit auf die Anforderungen der Nutzer und auf die Umgebung ein. Das Team aus Nikola Miskic und Povilas Valiulis für den Bereich Architektur und Stephan Loncsek und Maximilian Knoll (Bauingenieurwesen) hatte ebenfalls eine klare Idee: Städtebaulich soll eine neue Achse geschaffen werden, wodurch ein geradliniger, schneller Übergang von den Wohnbauten in Simmering zum Naherholungsgebiet im Prater ermöglicht werden soll.

Vor allem das Geländer-Konzept bietet einen sehr speziellen Übergang von der Stadt in die Natur. Die Konstruktion setzt auf die wirkungsvolle Kombination von Bogen und Spannband. Die Jury: „Der Entwurf orientiert sich an den natürlichen Bewegungsflüssen der Nutzer. Das Projekt überzeugt mit seiner schlichten Eleganz und seinem ästhetischen Erscheinungsbild.“ Das Preisgeld für Platz zwei: 3.200 Euro.

Dritter Platz: „Spannender Bogen“ (TU Graz) – Pylon als Landmark
Nicole Eggenreich, Maximilian Deutscher (Architektur), Michael Ortmann und Andreas Petermann (Bauingenieurwesen) lassen eine Schrägseilbrücke mit Hohlkastenquerschnitten sich mit ihrer geschwungenen Form zwischen dem Baumbestand hindurchschlängeln. Damit schaffen sie für die Nutzer ein beruhigendes Erlebnis, ohne sich selbst zu stark in den Vordergrund zu drängen.

Gehalten wird die Brücke über zwei Pylone und durch Stützen. Die Herstellung des Fahrbahnquerschnittes erfolgt in Ortbetonbauweise, die Pylone hingegen werden in Fertigteilbauweise hergestellt. Die Jury lobte die sehr gute Ausarbeitung der statischen Details sowie das grafische Konzept mit Logo und Wortspiel: „Die Idee eines Pylons als Landmark überzeugt“, hieß es. Das Team von der TU Graz freut sich über ein Preisgeld von 2.200 Euro.

Neben den drei Preisen gab es Anerkennungen für die Projekte „Concrete bonding“ und „pont brut“, die jeweils mit 1.200 Euro belohnt wurden.

Träger der Concrete Student Trophy – Kompetenz

Eine Interessengemeinschaft vergab unter der fachlichen Begleitung österreichischer Universitäten die Preise der Concrete Student Trophy 2019. Die wurde von offizieller Wienseite von der der MA 29 – Brückenbau und Grundbau vertreten, dazu kamen die  Habau Hoch- und Tiefbaugesellschaft m.b.H., die Porr GesmbH, außerdem Vertreter der Strabag AG und weiterer Unternehmen. Von Baustoffseite waren neben der VÖZ auch der Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) und der Güteverband Transportbeton (GVTB) mit an Bord.

Die hochrangige Jury: „schwere Entscheidung“

Nebenbei wurde bei der Preisverleihung auch schon das Thema der nächsten Concrete Student Trophy bekanntgegeben. Die Erfolgsgeschichte wird also weitergehen – und sicher werden auch 2020 viele Studentinnen und Studenten den Wettbewerb annehmen und lernen, was interdisziplinäre Teamarbeit bedeutet. Denn das betonten alle Teilehmer: Die Herausforderungen haben etwas gebracht!

2020 wird es um ein „Hochhaus mit Begrünung“ gehen. Klingt zwar simpel, aber das wird es mit Sicherheit nicht sein. Die Vorbereitungen laufen bereits, Architekt Christoph Achammer, der als Professor an der TU Wien die Concrete Student Trophy mit ins Leben gerufen hatte, verriet sogar schon ein bisschen mehr: „Wir wollen diesmal ein hohes Haus mit ‘Vertical Green‘ kombinieren.“ Auch Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ, äußerte sich dazu: „Es ist ein starkes Zukunftsthema, wie zu der gebäudetechnischen Ertüchtigung auch noch eine klimatechnische Zusatzkomponente ergänzt werden kann, die nicht nur der Umwelt gut tut, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner erhöht!“ Wir sind gespannt.

Bestandsaufnahme: So sieht’s heute dort aus