Foto: © Christoph Noesig

Bond & Beton: Spektakuläre Erlebniswelt in Sölden

18.09.2018

Ein schönerer Ort ist auf der Welt kaum zu finden – das haben die Location Scouts der Filmgesellschaften längst bewiesen: Die Bergwelt rund um das legendäre Skiparadies Sölden gilt unter Filmfans als ganz spezielle Adresse. Jetzt steht dort eine cineastische Weltsensation: das High-Tech-Museum „007 Elements“. Besonders beeindruckend ist die in den Berg gebohrte Beton-Architektur.

Die verschneiten Alpen faszinieren schon immer Menschen in aller Welt. Kein Wunder also, dass gleich mehrere Szenen aus James-Bond-Filmen hier spielten. Der alpine Höhepunkt ist für Bond-Fans ebenfalls schnell ausgemacht: Es sind die phänomenalen Bergszenen in „Spectre“, die als spannungsgeladene Highlights der Bergwelt gelten. Und bereits seit den Tagen von Sean Connery taucht immer eine wichtige Frage auf, wenn es um einen neuen 007-Darsteller geht: Kann er skifahren?

Sölden: Mekka für Bond-Fans

Daniel Craig hat seine Künste in „Spectre“ gleich mehrere Male bewiesen – ob mit Hilfe von Tricks oder nicht. Er war der Hauptdarsteller des 24. Bond-Streifens aus dem Jahr 2015. Der eigentliche Protagonist des Films aber war ein Ort: Umringt von imposanten Dreitausendern begeistert Sölden Skifahrer aus aller Welt. Seitdem sich die Söldner Bergwelt in „Spectre“ von ihrer atemberaubendsten Seite zeigen durfte, gilt das Örtchen als Mekka der „Bondianer“. Viele Touristen lassen es sich nicht nehmen, auf den Spuren ihres Leinwandhelden zu wandeln – und in wunderschöner Umgebung auf Skier zu steigen. Oder, noch besser: in die Seilbahn. Denn die Dreharbeiten, die im Jänner 2015 hier stattfanden, zeigen dauerhafte Wirkung.

In luftigen Höhen: Wunderwerk der Architektur

Foto: © Christoph Noesig

Wie lebendig der Mythos um den berühmtesten Agenten der Filmgeschichte tatsächlich ist, belegt ein atemberaubendes Projekt, mit dem das Ötztal dem Film und sich selbst ein einzigartiges Denkmal gesetzt hat: Seit dem Sommer 2018 sorgtdas Projekt „007 Elements“ für Furore. Das Setting inmitten der Ötztaler Berge ist perfekt – das wussten ja auch schon die Location Scouts. Die Höhe ist ebenfalls beeindruckend. Am Gipfel des Gaislachkogl, mehr als dreitausend Meter über dem Meeresspiegel, steht ein neues Wunderwerk der Architektur.

Dass man sich hier an einem besonderen Ort befindet, wird bei der Fahrt nach oben deutlich. Schon wer sich in die Seilbahn begibt, scheint eine Welt der Zukunft zu betreten: Eine der modernsten Seilbahnen der Welt bringt die Besucher in unglaublich kurzer Zeit in luftige Höhen. Wer nicht einigermaßen schwindelfrei ist, dem wird ziemlich viel abverlangt. Ein paar Zahlen verdeutlichen das: Auf  1.363 Meter Höhe liegt die Talstation, in weniger als sieben Minuten geht’s im Achtsitzer zur Mittelstation auf 2.174 Meter. Dann fährt die futuristische Großkabinenumlaufbahn – eine sogenannte 3S-Bahn –, deren Gondeln rund dreißig Personen Platz bieten, in fünfeinhalb Minuten zur Bergstation. Und dann ist man oben. Richtig oben. Genau: Der Eingang zu „007 Elements“ befindet sich auf 3.040 Höhenmeter.

Raumkonzept für dauerhafte Ausstellung

„A fantastic place“, so bezeichnete „Spectre“-Regisseur Sam Mendez die Filmkulisse nahe des österreichischen Party-Zentrums Sölden. Die Macher der Bond-Filme legten schon immer enormen Wert auf wirkungsvolle Drehorte. Dieser Schwerpunkt, immer interessante Plätze zu präsentieren, trug gehörig zum Mythos Bond bei.

© Christoph Noesig

Ein fantastischer Ort – das ist gut drei Jahre nach Drehschluss die Erlebniswelt „007 Elements“. Wer diese Berge bisher nur aus dem Kino kannte, wird von der wahren Wucht des Blicks überwältigt. An klaren Tagen erstreckt sich die Fernsicht im Norden bis hin zur Zugspitze – und im Süden zu den Dolomiten.

Massivbau extrem: in den Berg gebohrt

Hier steht aber auch – ganz nah – das Restaurant „ice Q“. Das vom österreichischen Stararchitekten Johann Obermoser entworfenen Objekt spielt in „Spectre“ keine kleine Rolle: Es fungiert dort als Hoffler-Klinik, in der sich einige entscheidende Bösewicht-Szenen abspielen. Direkt darunter haben die Bergbahnen Sölden das neue Erlebnisparadies furios ins Innere des Berges gesetzt: „007 Elements“.

Stararchitekt in seinem Element

Die Idee, die Bond-Location langfristig für den Tourismus zu nutzen, kam schon bald nach Kinostart des Films. Jakob „Jack“ Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, holte sich zunächst die Zustimmung der beteiligten Filmgesellschaften. Das war trotz aller Begeisterung, auf die er stieß, ein echter Kraftakt. Dann kontaktierte Falkner, den die Zeitungen als „König des Ötztals“ titulieren, Johann Obermoser – den Innsbrucker Architekten, der bereits das Restaurant am Gipfel gebaut hatte. Der sollte ein Raumkonzept für eine dauerhafte James-Bond-Installation entwerfen.

© Christoph Noesig

Für Johann Obermoser war es von Anfang an wichtig, die wesentlichen Bezugspunkte des Films miteinander zu verbinden und im Blickkontakt zu halten: die Ötztaler Gletscherstraße, das „ice Q“ – und die Gaislachkoglbahn. Die Herausforderungen waren gigantisch: Permafrost, Bruchlinien, der Ort am Gipfelgrat. Damit Besucher auch im Innern spüren, dass sie sich in einem extremen Klima befinden, sollte auf technische Einrichtungen wie Heizungen oder Klimaanlagen verzichtet werden.

Erste Wahl: Betonquader

Die ersten architektonischen Studien zeigten ein Ergebnis, das niemanden verwunderte: Es sollte ein Betonquader werden, der den Grat durchstößt, der links und rechts über den Abgrund hinausragt – dazu ausgelagerte Kuben, angehängt über elastische Brücken. Klar war auch, dass nur ein Projekt mit imposanter Architektur dem Thema gerecht werden würde.

Im nächsten Schritt führten geologische Voraussetzungen des Standorts zu Alternativüberlegungen. Viele spektakuläre Ansätze wurden durchgespielt, bis schließlich das „Eisbergprinzip“ die Oberhand gewann. Immer wieder fertigte Johann Obermoser neue Entwürfe – so entstanden sieben freigeformte Architekturelemente aus Beton, über Rampen verbunden und im Berg verortet. Die Wahl der Materialien war dagegen schneller erledigt: Beton und Stahl sollten auch für die architektonische Aussagekraft sorgen.

Ein Tunnel führt die Besucher in die Bond-Welt (© Kristopher Grunert)

Schalreiner Beton zeigt Wirkung

So bestehen sämtliche Ausstellungsräume aus schalreinem Beton. Das gilt auch für die Einrichtungsgegenstände – egal, ob es sich um Bänke oder um Wegbegleitungen handelt: Beton zieht die Blicke auf sich. Große Türen aus rostfreiem Stahl runden das Bild ab und verdeutlichen die Übergänge zwischen den Raumkuben. Für die abgehängten Decken und die schalltechnischen Verkleidungen wiederum wurden schwarze Stahlpaneele gewählt, und zwar in perforierter Form. Allein die Zahlen sind beeindruckend, vor allem, wenn man die Höhe bedenkt: Für eine Ausstellungsfläche von insgesamt 1.300 Quadratmetern  wurden sage und schreibe 2.700 Kubikmeter Beton verarbeitet – und 400 Tonnen Stahl als Bewehrung. Mit anderen Worten: Es handelt sich hier tatsächlich um ein Massivbauwerk von beachtlichen Ausmaßen.

Die Besucher, die sich auf die 007-Bergwelt einlassen, gehen über Ebenen, die fast unmerklich nach unten führen. So gelangen die Menschen durch die Ausstellung, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass sie sich immer tiefer ins Innere des Berges begeben. Raumdimensionen und Konfigurationen ändern sich ständig, mal schmal und hoch, mal gedrungen oder zylindrisch, mal hell, mal dunkel. Nur zwei große Öffnungen mit fantastischen Ausblicken bringen die hohe Bergwelt wieder ins Spiel.

Betonkuben mit Erlebnispotenzial

Nicht nur das Berginnere ist imposant. So erreichen die Besucher über die Schlucht, die sich zwischen Restaurant und der steilen Felswand auftut, das Portal des Zugangstunnels. Eine Betonwand, die sich zum Berg neigt, gibt hier den Blickfang. Weiter geht’s hinab: Durch den Tunnel gelangen die Gäste zur Plaza – der Aussichtsplattform mit einem Panorama, das wirklich den Atem raubt. Hier geht es über ein Stahltor wieder in die Bergwelt hinein.

© Kristopher Grunert

Bondianer erkennen sicher die meisten Exponate und Installationen, die hier warten. Wenn sich Realität und Virtualität vermischen, wenn Film-Sequenzen nur schwer vom realen Blick auf die Berge zu unterscheiden sind, dann erfahren die Besucher am eigenen Leib, welche Faszination die Kombination aus Film und Bergen ausüben kann. Schließlich gelangt man über einen Stollen noch tiefer in den Berg – und am Ende wieder auf über einen Ausgangsschacht ins Freie.

Es sind nicht zuletzt die Materialien, die in dieser Höhe beeindrucken. Die Steinwelt. Der robuste Beton, der sinnbildlich für enorme Stärke, Dauerhaftigkeit und Individualität steht. Dazu Stahl und Glas – und die Temperaturschwankungen im Berginneren, akustisch inszeniert. Gerade an einem solchen Ort wird klar: Beton ist der ideale Anwendungs-Baustoff für besonders ehrgeizige Projekte.

Beton für den Gipfel

Eine Frage stellt sich fast von selbst: Wie kam der ganze Beton nach oben? Wie wurde das technisch gelöst, die Errichtung des Bauwerks auf über 3.000 Metern? Nun: Die „Betoneinbringung“ erfolgte auf zwei Varianten. Im Sommer beförderten Fahrmischer den Werkstoff zur Mittelstation, wo der Beton dann über eine Umladestation zum Gipfel gelangte – über allradgetriebene Fahrmischer, die mit Ketten ausgestattet waren. Voraussetzung dafür waren trockene Straßen – und die gibt es in dieser Gegend nicht jeden Tag.

Im Herbst dann wurde der Beton zum Tiefenbachgletscher geliefert, weil so viel Höhe überbrückt werden konnte. Für den Transport hinauf zum Gipfel wurden dann zusätzlich sogar zwei Hubschrauber eingesetzt. Und das alles für Bond. James Bond.