„Beton auf Leinwand“ – die Kunst der Eva Dvorak

Wie finden Künstler zu ihrem bevorzugten Material? Oft sind es Schlüsselerlebnisse, die am Ende sogar die Kunstgeschichte verändern können. Bei der Wiener Künstlerin Eva Dvorak war es ein solches Erlebnis, das sie zu ihrem Lieblingsstoff brachte – Beton.

Das Schlüsselerlebnis der Eva Dvorak passierte ohne Ankündigung und in einem Umfeld, in dem der Kunst normalerweise nicht viel Raum geboten wird: In einer Küche berührte sie eher zufällig eine Arbeitsplatte. Und die war aus Beton – was übrigens sehr empfehlenswert ist, aber das wäre ein anderes Thema. Eva Dvorak jedenfalls war gleich begeistert davon, wie sich dieser Baustoff anfühlt, wenn man ihn unvermutet berührt.

„Es war sofort um sie geschehen. „Diese Haptik wünschte ich mir auf meinen Bildern“, sagte sie sich. Und arbeitete fortan mit einem neuen Material: Beton. Was immer an ihrer Seite blieb, war der Zufall. Auf ihn kann sich die Künstlerin nämlich auch sonst verlassen: Zufälle spielen eine große Rolle in der Kunst von Eva Dvorak: „Der Prozess des Malens entsteht bewusst durch Zufälligkeit“, sagt sie, „Risse, Erhebungen oder Kratzspuren im Beton lassen Strukturen entstehen.“ Motive verbergen sich und werden einfühlsam und leidenschaftlich zum Vorschein gebracht – das ist ihre Kunst.

   

Die Künstlerin, 1948 in Wien geboren, war immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Mit dem Baustoff Beton fand sie das Material, das ihr größte künstlerische Freiheit gibt und das es ihr erlaubt, Optik und Haptik in perfekter Harmonie zu gestalten. Dabei war der Weg gar nicht leicht: Zement mit Öl, Acryl, Kreide, Sand und Farbpigmenten ergaben zwar faszinierende Ergebnisse, aber erst eine speziell entwickelte Materialkombination brachte dauerhafte Ergebnisse nach ihrem Geschmack. Rund ein Jahr experimentierte Eva Dvorak, bis diese Kombination endlich stand.

Was die Kunstwerke der Eva Dvorak so faszinierend macht, ist nicht zuletzt der Widerspruch, dem sie sich immer wieder stellen muss: Auf der einen Seite steht die haptische Wahrnehmung des Betons – der immer noch als kalt, hart und spröde gilt, als grau und distanziert. Und dann ist da die gefühlsbetonte Welt der Abstraktionen, in der die Porträts der Künstlerin entstehen, mit der sie spielt und um die herum sie sich zu drehen scheint.

So ist es kein Wunder, dass Eva Dvorak nicht zuletzt das Organische am Baustoff Beton begeistert: „In vielen Schichten trage ich den mit Farbpigment versetzten Beton auf und verletze stellenweise die Oberfläche, sodass die darunter liegenden Farbschichten zum Vorschein kommen“, sagt sie. „Aus der dadurch entstehenden Tiefenwirkung nimmt das Bild für mich Gestalt an und es ergibt sich das Motiv.“ So entsteht der Charme ihrer Gemälde durch den Widerspruch gefühlsbetonter Porträts und den so typischen Strukturen von Beton. Ein ausdruckstarkes Zusammenspiel, das immer wieder auf das setzt, was Eva Dvorak zum Beton brachte: Zufälle.

Zuletzt stellte Eva Dvorak im C3-Atelier in Wien aus, momentan sind ihre Arbeiten im HANAK-Museum Langenzerdorf zu bewundern.

Alle Bildrechte liegen bei Eva Dvorak.