Moderner Betonbau: Facettierte Brücke in Lausanne

Eine faszinierende Betonbrücke zeigt den universellen Baustoff in seinen schönsten Facetten: Bei der Konzeptionierung einer Fußgängerbrücke in Lausanne gelang dem Schweizer Architekturbüro 2b architectes ein wahrhaft großer Wurf!

Erst seit kurzem besteht sie – die Metrostation La Sallaz im Nordwesten von Lausanne im französischsprachigen Teil der Schweiz. Ein klares Plus für den öffentlichen Nahverkehr! Nur: Wie kommt man jetzt von der Metrostation in den nahen Wald? Die sowohl künstlich als auch kunstvoll angelegte Naturlandschaft liegt nämlich auf der anderen Seite einer Straße. Genauer: einer Haupteinfallstraße in die nahe City von Lausanne.

Die Lösung für dieses Problem fand das örtliche Büro 2b architectes. Dort entwarf man eine Fußgängerbrücke, die sich nicht nur perfekt in die Landschaft einfindet, sondern vor allem durch den gekonnten, fast spielerischen Umgang mit Beton überzeugt. In Gestaltung und Struktur spiegelt die Brücke auch das Lebensgefühl der 1.2-Millionen-Stadt in der Westschweiz wider.

Schlanke Konstruktion aus Stahlbeton

Vier schlanke, rechteckige Stützen tragen in der Mitte die ebenfalls schlanke und dadurch gestreckt wirkende Stahlbetonkonstruktion. Hier wurde keine direkte Linie geschaffen, im Gegenteil: Die beiden Seiten der Brücke werden durch einen Weg mit vielen Ecken verbunden, der auch in der Höhenentwicklung nicht einheitlich ist. Eine Seite der Betonbrücke verschwindet förmlich in einer Grasfläche, während die andere Seite von zwei gewinkelten Säulen unterstützt und getragen wird. „Diese Dualität bestimmte auch das Aussehen“, wie es aus dem Büro 2b architectes heißt. Verstärkt wird die Dualität dadurch, dass die rechtwinklige Bebauung des Platzes an der Metrostation im krassen Gegensatz zur – wenn auch künstlichen – Natürlichkeit des Naherholungsgebietes steht.

Was auf den ersten Blick auffällt, ist die überraschend vielseitige Facettierung der Fußgängerbrücke. Außen sind facettiert wirkende Stahlbetonflächen sichtbar, an der Innenseite wird derselbe Eindruck durch eine Holzverschalung erzielt. Eine indirekte Beleuchtung, die von Feld zu Feld von einer Seite zur anderen wechselt, schafft auch nachts ein ansprechendes Bild auf der Gehfläche. Dass der Baustoff Beton hier von Holz unterstützt wird, verstärkt das Wechselspiel der Atmosphären. Führend ist hier natürlich der Beton, der auch für die Statik und für viele weitere Sicherheitsaspekte unverzichtbar ist.

Unverzichtbar: Beton bietet die Grundlage für Statik und Sicherheitsaspekte

Übrigens besitzt die neue Betonbrücke in Lausanne nicht nur für Fußgänger eine wichtige Funktion. Das Architekturbüro 2b architectes schuf mit diesem gelungenen Bauwerk gleichsam ein Stadttor, das den Autofahrern auf ihrem Weg nach Lausanne zuruft: Jetzt wird’s Zeit, Tempo rauszunehmen, gleich kommt die City!

Wer die Brücke sehen möchte, sollte von Lausanne aus unbedingt mit der Metro anreisen: Die Metro-Strecken in Lausanne zählen sicher zu den besonders schönen in Europa – und um die sehenswerte Brücke richtig zu erleben, sollte man sie überqueren. Und das geht eben nur zu Fuß.

Foto: Roger Frei, Zürich