Beton im 3-D-Druck: „Digital Chaiselongue“ von Philipp Aduatz

Einmal jährlich vibriert Mailand förmlich: Da trifft sich die glitzernde und glänzende Welt des internationalen Designs in der italienischen Alpenmetropole. Die Stadt ist bekannt für Lebenslust, für teure Boutiquen – und für ausgesuchte Messen. Aber kaum ein Event betont  das Außergewöhnliche der Stadt so sehr wie die Mailänder Designwoche! 2018 ist dort vom 17. bis 22. April ein exklusives Design-Objekt aus Österreich zu sehen, bei dem sich zeitgemäße Gestaltungskunst und innovativer 3-D-Druck mit Beton auf Augehöhe treffen – die Digital Chaiselongue von Philipp Aduatz.

Sie gilt nicht nur Baustoff-Liebhabern als Meisterstück: Die Digital Chaiselongue des österreichischen Designers Philipp Aduatz zählt auf der Designwoche in Mailand sicher zu den interessantesten Ausstellungsobjekten. Viele der an die 300.000 erwarteten Bsucher werden sich die innovative Arbeit des Künstlers anschauen, die im Bereich mit dem Motto «Ventura Future» zu finden ist. Dort präsentieren zukunftsorientierte Kunst- und Designhochschulen die Arbeiten junger Gestalterinnen und Gestalter.

    
Der Künstler und sein Kunstwerk: Philipp Aduatz und seine digitale Liege

Für den Wiener Künstler wird die Milan Design Week, wie sie international genannt wird, garantiert ein bleibendes Erlebnis werden: Er wird dort nicht nur seine «Chaiselongue» zeigen, sondern vor Publikum mit Beton im 3-D-Druck experimentieren. Öffentliche Arbeitsprozesse wie diese sind auch für Philipp Aduatz nicht an der Tagesordnung. Der wurde 1982 in eine regelrechte Künstlerfamilie hineingeboren: Sein Vater machte als Zeichner von sich reden, Friedrich Aduatz, der abstrakte Maler und Grafiker, der in seinen späten Jahren vor allem durch zahlreiche Venedig-Bilder große Berühmtheit erlangte, war sein Großonkel. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Philipp Aduatz früh zu einer Karriere in der Kunst entschied.

Allerdings faszinierte Aduatz von Anfang an ein für ihn sehr wichtiger Aspekt: Wie lassen sich Schönheit und Ästhetik in die Dinge integrieren, mit denen wir täglich zu tun haben? Philipp Aduatz studierte also Industrie-Design, 2007 schloss er sein Studium an der Universität für angewandte Kunst ab – unter Professor Paolo Piva. Vielleicht liegt es ja an seinem Lehrmeister, dem 2017 verstorbenen Architekten und Designkünstler Paolo Piva, der so manche heute legendäre Möbel und Küchenausstattungen designte. Jedenfalls galt das Interesse von Aduatz schnell exklusiven Einzelstücken. Auch wenn Industriedesign meist mit Massenware verknüpft wird, Philipp Audatz steht für Editionen mit kleinsten Auflagen.


Additive Fertigung mit dem Baustoff des 21. Jahrhunderts: Betonieren ohne Schalung

Es sind gerade Kleinstserien oder eben Einzelstücke wie die Digital Chaiselongue, mit denen sich der Künstler zwischen Kunst und Design positioniert. Dass sich Philipp Aduatz ausgerechnet das 3-D-Drucken mit Beton zur Erfüllung seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten ausgesucht hat, überrascht nicht. Das Prinzip ist zwar nicht völlig neu, aber die Fortschritte, die diese Form der additiven Fertigung  in letzter Zeit machte, sind enorm. 3-D-Druck mit Beton ermöglicht es, Betonobjekte ohne herkömmliche Schalungsmethoden  zu realisieren – auf eine wirklich revolutionäre Art. Auf Dauer kann diese Fertigungsart viele Probleme lösen: Weil so kostengünstig und enorm schnell gebaut werden kann, gehen Experten davon aus, dass schon bald in ärmeren Ländern sichere und stabile Häuser entstehen, deren Bewohnern sich mit den Vorzügen des Baustoffs Beton neue Formen der Lebensqualität erschließen.

Philipp Aduatz faszinierte beim so überaus vielseitigen 3-D-Druck vor allem die Möglichkeit, bei der Gestaltung von Betonbauteilen über völlige Gestaltungsfreiheit zu verfügen. Er wusste: So können Unikate entstehen – oder künstlerisch wertvolle Kleinstserien. Nun kann ein Künstler natürlich nicht einfach sagen: Ich mache jetzt 3-D-Druck mit Beton. Dazu braucht er Partner, die ihn mit Expertisen, technischem Know-how und den entsprechenden Gerätschaften unterstützen. Aduatz hatte Glück, für die Ausführung ein besonders innovatives Strat-up-Unternehmen zu finden – Incremental 3D mit Sitz in Innsbruck. Als eines der ersten Unternehmen weltweit beschäftgt sich Incremental 3D mit der Fertigung innovativer dreidimensionaler Beton-Druckobjekte. Mit Fassadenelementen für Architektur und Baukunst, aber auch mit Gegenständen wie Vasen und Möbeln wie beispielsweise Bartischen sorgte das Unternehmen bereits für Furore. Auch wenn das Unternehmen sehr jung ist, die Macher verfügen über mehrjährige Erfahrung – und liefern mit fortschrittlichen Fertigungstechnologien Ergebnisse von höchster Qualität.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Künstler passt zum Start-up: Es ist ein erklärtes Ziel des Unternehmens, das Zusammenwirken von experimentellen und wisssenschaftlichen Ansätzen des 3-D-Drucks aufzuzeigen – und dabei Design und Technologie in der Anwendung zu verbinden. Neueste Robotertechnik, digitale Innovationen und ein kreativer Umgang mit Konstruktionsdaten zeichnet Incremental 3D aus. Und natürlich: das Vertrauen auf einen Baustoff, der so flexibel, formbar und vielseitg ist wie kein anderer – und mit dem sich stabile, robuste und dennoch extrem filigrane Produkte herstellen lassen.

         
Betonliege im Detail: Die additiv gefertigte Chaiselongue

Betonprodute als Kunstwerke: Philipp Audatz geht in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Start-up neue Wege. Er schafft Einzigartiges mit einem massenkompatiblen Baustoff. Auf seiner – leider nur englischsprachigen – Homepage stehen denn auch die Vokabeln im Vordergrund, die seinen Anspruch untermauern: Da ist von „Experimental and unique“ die Rede und von „Limited Editions“.

Mit vielen Materialien hat Philipp Aduatz schon gearbeitet, mit Metall und Keramik etwa, aber mit Beton scheint er nun ein neues Lieblingsmaterial gefunden zu haben. Gerade der 3-D-Druck fasziniert ihn nachhaltig, das ist offensichtlich. Sonst würde er ja wohl nicht in Mailand vor Publikum selbst Hand anlegen, wenn es darum geht, dem Baustoff Beton auf bisher wenig bekannte Weise positive Aufmerksamkeit zu verschaffen!

Die tollen Chaiselongue-Fotos stammen übrigens alle von Paris Tsitsos – danke!

MK/FB