BAUKONGRESS 2018 – Beton im Mittelpunkt!

Alle zwei Jahre veranstaltet die Österreichische Bautechnik-Vereinigung den BAUKONGRESS. Der hat sich längst als wichtigste Informationsplattform für das gesamte Bauwesen in Österreich erwiesen! Der traditionell Mittelpunkt der hochkarätigen Veranstaltung: der Stand des Betonmarketing Österreich im Ausstellungsbereich! 2018 lud BMÖ speziell zur Diskussion um die Zukunft des Betons im deutschsprachigen Raum ein – unter Berücksichtigung der jeweiligen Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte der sogenannten DACH-Region. Eine gut sortierte Musterausstellung und internationale Experten informierten die Kongressbesucher außerdem.

Die Zukunft des Baustoffs Beton in Österreich, Deutschland und der Schweiz – das war das zentrale Thema der Veranstaltung, die am 19. und 20. April 2018 im Austria Center Vienna stattfand. Ein wichtiges Beispiel ist die weitere Entwicklung von Textilbeton: Das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt mit einem Förderungsvolumen von ganzen 45 Millionen Euro auf das Projekt C3 – carbon concrete composite. Das Ziel: Textilbeton soll auf die Dauer Stahlbeton ersetzen, er soll Ressourcen einsparen, die CO2-Bilanz verbessern und letztlich auch formal über filigrane Strukturen einen Anreiz für innovatives Bauen schaffen.

Textilbeton – Deutschland und Österreich vorneweg

Mehr als 160 internationale Partner aus Wissenschaft und Praxis haben sich in einem C3-Konsortium zusammen gefunden, um bis zum Jahr 2020 alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, Textilbeton am Markt zu etablieren und als neuen Standard des Bauens mit Beton zu definieren. „Der Bereich Textilbeton eröffnet viele neue Anwendungsmöglichkeiten und wird die Baubranche revolutionieren.“, bekräftigt Roy Thyroff, Geschäftsführer bei V. Fraas Solutions in Textile GmbH und dem Textilbeton-Verband TUDALIT e.V. Am BAUKONGRESS 2018 berichtete Thyroff ausführlich über den Status Quo der aktuellen Zertifizierungen.

Und was macht Österreich? Auch bei uns gibt es zukunftsweisende Tendenzen. So wird an der Universität Innsbruck im Rahmen des Forschungsprojektes TEXon das Potenzial der Vorarlberger Stickereien hinsichtlich textiler Bewehrungsstrukturen ausgelotet. Es geht um nichts Geringeres als darum, die technische Stickerei in 2-D und 3-D zur Marktreife zu entwickeln – ein anspruchsvolles Projekt! Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt bei Schalentragwerken und einer frühen Integration der Technologie im Bereich der additiven Fertigungsprozesse, also beim 3-D-Druck. Matthias Egger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut von Prof. Jürgen Feix in Innsbruck, Arbeitsbereich Massivbau und Brückenbau, berichtete am BAUKONGRESS über den Projektstatus anhand von 1:1-Mustern und erntete damit viel Zustimmung.

Mit digitaler Fabrikation in die Zukunft

Und womit punkten die Schweizer? Unter anderem mit Robotik! Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) hat bereits 2014 mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt „Digitale Fabrikation – innovative Bauprozesse in der Architektur“ mit einem Fördervolumen von über 13 Millionen Franken eine klare Position zum Thema Robotik bezogen. Die Schweiz will sich einen internationalen Spitzenplatz in diesem Sektor sichern. Resultate werden schon im nächsten Jahr im Rahmen von zwei Projekten baulich umgesetzt. Marktreife Komponente in beiden Projekten ist der Einsatz von 3-D-gedruckten Sandschalungen für Beton, die in den Bereichen Konstruktion, Freiform und Oberflächengestaltung einen Technologiesprung belegen. Die ETH Zürich ist im Besitz einer Voxeljet 3-D-Druck-Anlage. Tobias Grün, Produktmanager bei voxeljet AG, präsentierte am BAUKONGRESS neue 3-D-gedruckte Betonschalungen.

Hybrider Baustoff mit Zukunft? Holzbeton kommt!

Die derzeit gängige Geschossbauweise aus Holz ist in der Regel ein Hybridbau – unter anderem, weil Beton als Stabilisator und Kostensenker gleichermaßen seine Aufgaben erfüllt. So gilt auch das vielbesprochene HoHo in Wien als internationales Leuchtturmprojekt für den Holzhochbau, das  Österreich in eine besondere Position rückt. Im Bereich der Geschoßdecken hat man sich für die XC® Holzbeton-Verbunddecke entschieden, einem Produkt der MMK, dem Joint-Venture der Kirchdorfer Gruppe und der Mayr-Melnhof Holding AG. Das X steht für Xlam – cross laminated timber (Brettsperrholz), das C für concrete, also für Beton. Die Qualitäten beider Baustoffe – Beton mit Druck und Holz mit Zug – werden somit vereint. „Die XC® Verbunddecke bewies ihr Allroundtalent bereits bei zahlreichen Einsätzen als universell einsetzbares Produkt. Sowohl im Sanierungsbereich als auch bei prestigeträchtigen Großprojekten – wie aktuell dem HoHo Wien – kann die bauphysikalische Alternative punkten. Die Verbunddecke vereint das Beste aus zwei Baustoffwelten und sichert Spannweiten von über zehn Meter sowie eine maßgebliche Bauzeitverkürzung durch einfache und unterstellungsfreie Montage“, erläutert Matthias Pfützner, Pressesprecher und Leiter des Konzernmarketings bei Kirchdorfer Industries.

BAUKONGRESS 2018: Ausstellung mit zahlreichen Innovationen

Weitere Muster in der Ausstellung im  Austria Center Vienna zeigen neueste Prototypen und Produktentwicklungen der Universität Stuttgart aus dem Institut für Leichtbau und Konstruktion (ILEK) von Prof. Werner Sobek, 3-D-Betondrucke von Baumit und Overtec, den Dämmschaum AIRIUM von Lafarge sowie zukunftsweisende Ansätze in der Weiterentwicklung der Thermischen Bauteilaktivierung (TBA). Gerade dieses Thema, das die österreichische Betonbranche seit Jahren beschäftigt und den Baustoff Beton als wegweisendes Material für die Energiewende auszeichnet, fand viel Beachtung.

Am Ende waren sich die alle Teilnehmer einig: Es werden zwei lange Jahre werden, bis der nächste BAUKONGRESS stattfinden wird. Aber eines ist gewiss: Die Branche wird ihren innovativen Charakter weiterleben und entwickeln und so Produkte anbieten, die sich an den Aufgaben der Zukunft ausrichten.

Übrigens: Für die Konzeption und Organisation des Gastprogrammes sowie der Musterausstellung am BMÖ-Stand zeichnete das OFROOM Christine Bärnthaler verantwortlich.

(Fotos mit freundlicher Genehmigung der Fotografen – danke!)