Neues von den Nachbarn: Höchster Betonturm Deutschlands eingeweiht

Wenn unsere deutschen Nachbarn davon reden, dass etwas besonders hoch sei, können wir Österreicher meistens nur milde lächeln. Allein beim höchsten Berg liegen die Deutschen rund tausend Meter unter uns! Aber wenn es um einen faszinierenden Aussichtsturm geht – das können sie. Und wie! In Rottweil in Baden-Württemberg wird das jetzt fulminant unter Beweis gestellt: Dort steht ein 246 Meter hoher Betonturm. Das geht natürlich nur mit dem Baustoff des 21. Jahrhunderts!

Aufzugstestturm – allein der Name ist etwas komisch. Aber der wird sich bestimmt bald ändern, denn der Turm wurde gerade erst eröffnet. Allerdings sagt dieser Name genau das aus, worum es hier geht: In Rottweil, der ältesten Stadt in Baden-Württemberg, steht ein Turm, in dem Express-Aufzüge und Hochgeschwindigkeits-Fahrstühle getestet werden sollen. Wie sie etwa im Burj Khalifa oder im Space Needle installiert sind, wo die Besucher in Sekundenschnelle Hunderte von Metern nach oben oder unten katapultiert werden – praktisch ohne es zu merken.

Den Auftragbebern war sofort klar, dass dieser Turm etwas Besonderes sein muss. Errichtet wurde der Turm von der Firma ThyssenKrupp Elevator, die somit für die höchste Aussichtsplattform Deutschlands sorgt. Ganze 246 Meter ragt der Turm über das Erdreich hinaus – bei einem Durchmesser von lediglich 22 Metern. Darin sind sage und schreibe elf Aufzugsschächte iinstalliert – dort werden dann Aufzüge mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu knapp 65 Stundenkilometern erprobt und zertifiziert.

Deutschlands höchste Plattform – Aussicht für Mutige

Schon allein um ordentlich testen zu können, braucht das Unternehmen gleich mehrere Schächte, die eine Länge von 260 Metern aufweisen. Das heißt also: Man ging nicht nur nach oben, sondern auch nach unten – der Turm bohrt sich zusätzlich rund dreißig Meter in die Tiefe! Die Gesamthöhe des Objekts umfasst also eine Höhe von mehr als 275 m.

Neben den Testschächten gibt’s im Turminnern zur Sicherheit noch einen Feuerwehraufzug – und für Mutige einen Panoramaaufzug. Der bringt Besucher auf die bodentief verglaste Plattform: 232 Meter über der Erde. Einigermaßen schwindelfrei sollte man da schon sein! Das gilt auch für den Konferzenzraum, der sich unterhalb der Plattform befindet. Auch wenn der eine Etage darunter ist – hoch genug ist er allemal.

Natürlich Beton – was sonst?

Die Auftraggeber waren sich der Bedeutung des Turmes von Anfang an bewusst – und beauftragten zwei der berühmtesten Architekten der Welt: Geplant wurde der Bau von Werner Sobek in Kooperation mit Helmut Jahn, gebaut wird er von der Züblin AG. Logisch, dass für einen solchen Turm nur ein Material in Frage kommt: Beton. In diesem Fall brauchte es eine besonders gute Bewehrung: Auf den 246 m hohen Betonturm kommen ganze 2640 Tonnen Stahl! Da diese Stahlbewehrung nicht immer in der erforderlichen Länge geliefert werden konnte, wurde ein spezielles, äußerst innovatives Schraubmuffensystem eingesetzt, das MODIX von Peikko.

Stahlbeton und Gleitschalung – sorgfältige Ausführung

Das erste Beton-Bauteil, das erstellt wurde, war die zwei Meter dicke tragende Bodenplatte. Dabei musste darauf geachtet werden, dass die erforderlichen 700 Kubikmeter Beton beim Abbinden keine zu große Wärme entwickelten, um Schwindrisse zu vermeiden. Nun ging es darum, eine enorme Wachstumsgeschwindigkeit zu erreichen, wozu eine Gleitschalung erforderlich war. Diese Schalung wurde tagsüber wie nachts im 24-Stunden-Schichtbetrieb ganz langsam und vor allem gleichmäßig nach oben gezogen, wobei konstant Beton eingefüllt wurde.

Die Gleitgeschwindigkeit hing auch vom Abbinden des Betons ab. Der Beton musste also standfest sein, durfte keinesfalls zusammensacken – und musste sich so gut von der Schalung lösen, dass die leicht nach oben gleiten konnte. Viele Anforderungen an den Baustoff also! Wichtig war dabei auch, dass die Temperaturen nicht allzu sehr schwankten. In der größten Sommerhitze war es da schon erforderlich, eine Sprinkleranlage einzurichten, um die Bewehrung zu kühlen. Nur so konnte sie überhaupt angefasst und also verlegt werden!

Feierliche Eröffnung

Am 13. Oktober 2017 war es schließlich so weit: ThyssenKrupp „schoss“ die ersten Besucher in die Höhe! Dreißig Sekunden Fahrzeit – und schon ist man in einer Höhe, in der weiche Knie zum festen Bestandteil des Körpergefühls gehören. Ziemlich exakt drei Jahre nach Spatenstich also durften die ersten Mutigen die Aussicht genießen. Die Schlange war schnell riesg – aber der Aufzug bringt locker über tausend Menschen am Tag in schwindelerregende Höhen.

Die Aussicht? Phänomenal! Wer die ersten Ängste überwindet, genießt bei gutem Wetter – wie am Eröffnungstag – eine fulminante Aussicht.Die Alpen lassen sich erkennen – und selbst den Stuttgarter Fernsehturm bekommt man ins Fernglas.

 

DATEN UND FAKTEN

15.000 Kubikmeter Beton

2.640 Tonnen Stahl

246 Meter Höhe

Bauherr: ThyssenKrupp Elevator AG

Architektur: Werner Sobek & Helmut Jahn

Generalunternehmen: Ed. Züblin AG

Stahllieferant: Sülzle Stahlpartner GmbH

Bewehrung: Eberhardt Bewehrung GmbH

Lieferant des MODIX Schraubmuffensystems:

Peikko® Deutschland GmbH
Brinker Weg 15
D-34513 Waldeck

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